Corporate Social Responsibility vom 29.04.2009

„Unternehmen in der Verantwortung – Grenzen und Möglichkeiten von CSR“

Nach Kurzvorstellung beider beteiligter Stiftungen durch Herrn Böge (Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung) und Herrn Neuenfeldt (Stipendiat der FNF und Liberales Gesprächsforum Kiel) und einigen Worten dazu, wie es zu dieser Kooperationsveranstaltung kam, hielt Herr Grundheber-Pilgram vom DGB das erste Eingangsstatement, in dem er auf das Bild des ehrbaren Kaufmannes abhob und davon berichtete, dass es Seminarangebote für Führungskräfte und Personalverantwortliche zur „Kündigung Unkündbarer“ durch spezialisierte Anwälte gebe. Es folgte Frau Kettler (Dr. Kleinfeld CEC), die vom kürzlich abgehaltenen CSR-Forum in Stuttgart berichtete und hiervon einige Statements verlas und kommentierte. Beispielsweise finde besagter „ehrbarer Kaufmann“ in den klassischen BWL-Lehrbüchern keine Erwähnung, wusste sie Herrn Prof. Schwalbach (HU Berlin) zu zitieren. Von großer Wichtigkeit sei festzuhalten, dass CSR in die Strategie und Kultur eines Unternehmens gehöre, und durch Sponsoring und Mäzenatentum allein nicht erreicht werde. Zudem müsse CSR ein freiwilliges Engagement bleiben. Es folgte Herr Dr. Murmann (Aufsichtsratvorsitzender der Sauer Holding und Inhaber des Murmann Verlages), der ebenfalls das Argument stark machte, dass CSR ihren Platz in der Geschäftspolitik haben müsse, dass „ethical conducts“, wie sie vor allem größere Unternehmen ihren Mitarbeitern und Führungskräften zur Unterzeichnung vorlegen, am Ende nur „a nice piece of paper“ blieben, solange die entsprechenden ethischen Grundsätze nicht auch vorgelebt würden. Der Corporate Social Responsibility müsse zudem auch eine „political responsibility“ entsprechen. Zuletzt nahm Herr Dr. Schmiedl-Neuburg in seinem Statement eine begriffliche Klärung vor, indem er die Unternehmensethik von der Wirtschaftsethik unterschied, und Fragen entwickelte, die im Zusammenhang mit CSR relevant seien: Wem gegenüber die Unternehmen Verantwortlichkeiten aufweisen, welche ethischen Ansätze welchen Verantwortungsansätzen entsprechen und worin die Grenzen unternehmerischer Verantwortung liegen, beispielsweise im sogenannten „free-rider-Problem“, dem Schwarzfahrerproblem.

In der Diskussion geriet einmal mehr die Finanzkrise in das Zentrum einiger Beiträge aus dem Plenum. Prof. Kersting, politischer Philosoph in Kiel, machte darauf aufmerksam, dass weder Wirtschaftsethik noch Unternehmensethik Krisen wie die gegenwärtige abzuwenden imstande seien. Auch habe kein Mangel an eben jenen „Bindestrich-Ethiken“ die Krise hervorgerufen. Was richtig sei und was nicht, wisse der Mensch schon. Es komme einzig darauf an, auf ordnungspolitischer Ebene solche Entscheidungen zu erschweren, durch die einzelne Marktteilnehmer sich auf Kosten Schwächerer bereichern können.

Als die derzeitigen Rettungsüberlegungen und bereits existierenden -maßnahmen der Automobilindustrie diskutiert wurden, empörte sich Herr Grundheber darüber, dass es unmoralisch sei, die Entlassungen von Arbeitnehmern zuzulassen, die aufgrund von Fehlentscheidungen des Managements freigesetzt würden. Sofort hielt Dr. Murmann dagegen, dass eben dies gerade nicht moralisch geboten sei, wenn man bedenkt, dass diese Arbeitsplätze erstens nur durch Steuergelder erhalten blieben und zweitens Überkapazitäten (vor allem) in der Automobilbranche lange bekannt seien. Eine Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb lasse eben auch zu, dass schlecht wirtschaftende Unternehmen zur Aufgabe gezwungen würden.

Kontrovers wurde insbesondere der Begriff der Verantwortung diskutiert: Während sich schnell herausstellte, dass mit dem Haftungsbegriff in diesem Kontext wenig zu erreichen sei, wurde deutlich, dass auch der Verantwortungsbegriff im Zusammenhang wirtschaftlicher Zusammenhänge sehr vage ist. Als in diesem Zuge ein Volkswirt aus dem Plenum argwöhnte, ethische Diskussionen in der Wirtschaft zu führen sei nichts als Lyrik, schloss Herr Schmiedl-Neuburg an, es komme eben darauf an, das Dichten zu lernen.

Zum Schluss der intensiven Diskussion fiel der Begriff der Nachhaltigkeit. Kontrovers wurde diskutiert, inwieweit wir im Persönlichen aber auch als Gesellschaft Verantwortung gegenüber kommenden Generationen haben und wenn ja, wie diese zu übernehmen sei.

Hier findet man den entsprechenden Zeitungsartikel aus den KN zum Download.

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