Gesundheitsfonds vom 04.12.2008

Der Gesundheitsfonds – Fluch oder Segen? – Was verändert sich für die medizinische Versorgung in Schleswig-Holstein?

Etwas über 30 Besucher waren der Einladung des Liberalen Gesprächsforums Kiel in die Seeburg gefolgt, sich mit den Grundmechanismen und -ansätzen des Gesundheitsfonds vertraut zu machen, der die Krankenkassenbeiträge aller gesetzlich Versicherten in Deutschland ab dem 01.01.2009 zentral verwalten wird. Im Mittelpunkt stand die Frage, was sich für die medizinische Versorgung in unserem Bundesland ändern wird.

Die etwa halbstündige Einführung in die Thematik übernahm Michael Janowski, Regionalgeschäftsführer der Barmer Ersatzkasse. Seiner Einschätzung nach werde die Zahl der Krankenkassen in Deutschland in den nächsten 5 Jahren auf etwa 5 bis 10 zurückgehen. Außerdem werden sich alle Versicherten auf Zusatzbeiträge einstellen müssen.

Dank seines lebendigen Kurzvortrags konnten die übrigen Referenten gleich in medias res gehen und ihre Prognosen der Veränderungen ab 2009 schildern. Gerd Achtenberg, stellv. Geschäftsführer des Friedrich-Ebert-Krankenhauses in Neumünster, wies auf die Belastungen hin, mit denen die Krankenhäuser im Land zu kämpfen haben: Ärztemangel, Kostendruck und der geringe Basisfallwert in Schleswig-Holstein seien mit Gründe dafür, dass vielleicht schon in ein paar Jahren spezialisierte Krankenschwestern am OP-Tisch stünden und chirurgische Vor- und Nacharbeit erledigten. Während Herr Janowski in seiner Einführung die These vertrat, der Gesundheitsfonds selbst sei kostenneutral, wies Dr. Thomas Friedrich, Geschäftsführer des Apothekerverbandes S-H, auf das Ausmaß an Bürokratie im Gesundheitswesen hin, das systematisch Geld entzöge, was dann andernorts der Versorgung fehle. Durch die Etablierung des Gesundheitsfonds erhöhten sich diese Ausgaben immens, die medizinische Versorgung werde schlechter. Ekkehard Bekker, Leiter der Abteilung Struktur und Verträge bei der Kassenärztlichen Vereinigung S-H, richtete das Augenmerk wieder auf Schleswig-Holstein: Dadurch dass die Ausgaben für die Krankenkassen hierzulande deutlich geringer seien als im Bundesdurchschnitt, drohe S-H für bundesweit aufgestellte Kassen zum Billigland zu werden, das einheitlich hohe Mitgliedsbeiträge bei vergleichsweise geringen Ausgaben je Versicherten böte. Ein Wettbewerb unter den Kassen werde dank einheitlichen Beitrages kaum noch stattfinden, vielmehr würden sie zu Inkassobüros für den Beitragseinzug degradiert, so Becker. Dagegen argumentierte Herr Janowski, der Wettbewerb finde nunmehr bei den Leistungen, nicht mehr beim Beitrag statt.

Nach ihren vier Impulsreferaten standen die Referenten dem Plenum Rede und Antwort. Dabei wurde vor allem darauf abgehoben, dass man bei aller Quantifizierung von Versorgungskriterien und Effizienzbemühungen nicht den Patienten vergessen dürfe und auch nicht, dass es sich stets um persönliche Schicksale handle. Ein Gast fragte, ob sich der dringend benötigte Wandel im Gesundheitssystem überhaupt vollziehen werde, wenn niemand im Gesundheitswesen offen zugebe, dass eine medizinisch bestmögliche Versorgung aktuell nicht mehr möglich sei. Herr Achtenberg wies darauf hin, dass Krankenhäuser und Heilbehandler unter wirtschaftlich so großem Druck stünden, dass ein solcher öffentlicher Kommentar den Patienten verunsichere, sodass dieser dann ein anderes Haus bzw. eine andere Praxis aufsuche, weil er um seine medizinische Versorgung fürchte.

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