Berggruen und sein Demokratieverständnis

Im heutigen SPIEGEL (Nr. 6/11) ist ein Portrait von Berggruen zu finden (S. 36ff.), das in zweierlei Hinsicht aufschlussreich ist. Nicolas Berggruen wird dargestellt als ein in der Jugend verträumter Linker, der nun als idealistischer Gutmensch die Demokratie retten will. Und weil der Spiegel selbst nicht so recht weiß, ob das überhaupt ausreicht, ist in einem weiteren Untertitel zum Artikel davon die Rede, dass er „die Welt retten“ will.

Über die journalistische Tiefe des Porträts, das wie so viele andere Berggruen Darstellungen vor allem von dessen charmanter Verplantheit und der viel zitierten Abkehr von allem Materiellen lebt, soll hier nicht die Rede sein.

Mir geht es vielmehr um das Verständnis von Demokratie, das Berggruen hier erkennen lässt. Denn sein Patentrezept für die Rettung der Welt sind – Räte. Jedoch nicht paritätisch besetzt von Parlamentariern, Unternehmern, Gewerkschaftern oder in ähnlicher vorstellbarer Zusammensetzung. Nein, seine Räte der Weisen sind besetzt mit ehemaligen Größen. Mit z.T. früher mal demokratisch legitimierten. Zusammengestellt von einem, der weiß, wie’s besser laufen könnte. Das mit der Demokratie.

Dazu passt, dass sich Berggruen als Kosmopolit darstellen lässt. Es sei ihm unbenommen, vielleicht ist nichts davon aufgesetzt, nichts davon inszeniert. Als Kosmopolit hat er keine Polis, der er sich fügen muss, kein Volk, um dessen Wille er sich scheren muss.
Er hat den Willen und die Vorstellung. Er hat die Kontakte und die Ressourcen. So kann er auf viele Ansprechpartner zugehen, sie für sein publikumswirksames Ziel der Rettung der Welt begeistern, auf ihre mediale Präsenz als Ex-Irgendwas (Gouverneur, Präsident, Kanzler, CEO, und, und, und) vertrauen und profitiert am Ende noch von ihm geneigten Darstellungen in der Presse, die ihn – man muss sich wahrlich die Augen reiben – auch noch für die Rettung der Demokratie feiern.

Das die von ihm angestrebte Regierungsform sich aus einer „Skepsis gegenüber der Klugheit der Demokratie“ speist, nimmt dem Ganzen jede Subtilität. Ein Zyniker mag einwenden, Berggruen spricht nur das aus, was in allen Demokratien geschieht und sich bei aller Professionalisierung und Arbeitsteilung am Ende auch nicht wird vermeiden lassen.

Ich meine aber, es gilt, es wenigstens zu versuchen. Und wer dies unversucht lässt, möge sich bitte dann nicht die „Rettung der Demokratie“ auf die Fahnen schreiben.

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