Empörungsinvestigativjournalismus

Vorab: Die Recherchen von NDRInfo sind in den letzten Wochen (easycash) und Monaten (HSH Nordbank) ein positives Beispiel für den in Deutschland gut funktionierenden Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, der mit seinem Auftrag und dank seiner Ausstattung investigativen Journalismus ermöglicht, den die privaten Anbieter meist vermissen lassen.
Heute morgen jedoch brüstet sich der NDR mit der „Enthüllung“, die HaSpa erstelle von ihren Kunden psychologische Profile. Und das ohne vorher deren Einverständnis eingeholt zu haben. Nein!
Erst einmal bezweifle ich, dass die von der HaSpa erstellten Profile wirklich psychologisch, d.h. wissenschaftlich erstellt worden sind. Aber das einmal dahingestellt, erwarte ich geradezu, dass in der Bank/Sparkasse oder Versicherung meines Vertrauens meiner Wahl ein Bild von mir besteht, dass möglichst genau mein Risikoempfinden und meine Erwartungen an die angebotene Dienstleistung abzubilden imstande ist. Wenn wir etwas durch die instituts- und kundenseitigen Fehler lernen können, die ihren – nicht unerheblichen – Teil zur Finanzkrise beigetragen haben, dann wohl, dass Produkte verkauft, bzw. gekauft worden sind, die mit dem Risikoverhalten der Kunden nicht in Deckung zu bringen waren.
Was liegt also näher, als sich vorher ein Bild davon zu machen. Dafür stehen mittlerweile vergleichsweise einfache Tools dem Vertrieb zur Verfügung, die solche Profile zu erstellen auch der Schalterelse ohne Bachelor in Psychologie ermöglichen oder dem Telefonkurt in der Filiale eines 800-Seelen-Kaffs.
Eine „Enthüllung“ wird erst draus, wenn die Profile mit amazon-Kundendaten, ebay-Profilen, facebook-Daten & Co. erstellt worden wären. Dass auch das nur noch eine Frage der Zeit sein wird, ist nicht prophetisch, sondern nur die konsequente Fortführung der Kundenkartenmentalität der Deutschen.

Der Verfasser war zwei Jahre im Finanzvertrieb einer Hamburger Aktiengesellschaft tätig.

Nachtrag: Im Filterblog bringt Jan Filter die Sache polemisch auf den empörten Punkt.

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