Auftakt erfolgt

Es ist geschafft. Der Weg ist bereitet. Heute traf in Berlin Partei und liberales Vorfeld zusammen mit Intellektuellen und Einflussgrößen unserer Zeit, um gemeinsam Impulse für die kommenden Monate zu gewinnen.

An dieser Stelle sei erst einmal gesagt, Vorbereitung und Durchführung waren prima. Selbst das Essen (Es gab „Wiener Würstchen„) war für Veranstaltungen dieser Art preiswert. Doch in medias res:
Einen wirklich gelungenen Auftakt legte Christian Lindner hin, der einige der Spannungsfelder nannte, die 1997 noch nicht absehbar waren, und ihre Chancen hervorhob, die in ihnen lägen, um seine Rede zu schließen mit der These, uns müsse an einer Chancengesellschaft gelegen sein – ein neues Grundsatzprogramm müsse sich also der Chancen für morgen annehmen.
In den anschließenden Impulsreferaten (einige Teilnehmer wie @filterblog, @liberalhome, @freiheitsfreund, @antiebuerokratie twitterten fleißig mit – cf. Hashtag fdp2030) zeigte sich dann eine ausgewogene Mischung. Dass ich persönlich mit einigen Referenten nicht zufrieden war, zeigt aber wohl, dass es den Veranstaltern gelungen ist, unterschiedliche Positionen wie Personen zu engagieren, die ihrerseits die Vielfalt der Teilnehmenden auch entsprechend anzusprechen geeignet waren.

Rhetorisch noch ausbaufähig, aber am erfrischendsten war die Rede von der Vorsitzenden des BJU Frau Ostermann. Sie verglich die Partei (und vor allem ihre derzeitige gefühlte innere, wie auch demoskopisch messbare Lage) mit einem Unternehmen. Zwar wies sie nur auf die Möglichkeiten eines derartigen Vergleichs hin, ließ die Übertragungsebene also außer Acht – gleichwohl war ihrem Ansatz und ihrer Art einiges abzugewinnen, kam ihr doch die Rolle der außenstehenden Beobachterin zu, die mit offener Kritik nicht geizen musste. Was ihr großen Beifall einbrachte. Dass sich die FDP ihrer Lage nicht bewusst sei, kann ihr kaum unterstellt werden.

Die anschließenden Panel waren, was die von mir gewählten (3: Recht und Privatheit in der digitalen Gesellschaft & 7: Effizienter Bürgerstaat) betraf, interessant und kompetent besetzt und insgesamt wohl moderiert. Allein, das falsche Mittel für eine Auftaktveranstaltung dieser Art. Sie wären das geeignete Medium gewesen, ein interessiertes Plenum ‚anzufixen‘, am Thema zu bleiben. Mir aber ging es heute eher darum, aus den vormittags gehörten Impulsreferaten Anstöße für das eigene Denken mitzunehmen und zu kanalisieren. Das gelang mir in der Podiumsdiskussion nicht. Sie nahm eher Geschwindigkeit raus.
Das wäre – ich wiederhole: zumindest für mich – bei Panels, die stärker partizipativ ausgerichtet gewesen wären, nicht passiert. Gewiss hätten dann jedoch nicht vier Panels ausgereicht – eine Gruppenstärke von 30-50 hätte in diesem Fall nicht überschritten werden dürfen. Angesichts dieser Einschränkung, ist die Podiumsdiskussion wohl das pragmatische Mittel der Wahl.

Thematisch ungestreift blieb in den Impulsvorträgen leider die Integration, alternative Familienformen und die Umweltpolitik. Zum Thema Familie wusste Prof. Opaschowski lediglich zu verkünden, dass Grund zur Freude bestehe, die Familie erlebe als normative wie solidarische Instanz eine Renaissance. Wie das (gerade) alternative Formen des Zusammenlebens (queer, Patchwork, kinderlos) nicht nur miteinbezieht, sondern auch ermöglicht, ist offensichtlich noch ein Aspekt, der einen die Generationen scheidenden Blickwinkel voraussetzt.

Zusammenfassend, eine gelungene Veranstaltung trotz eines gesundheitlich angeschlagenen Generalsekretärs mit interessanten Gästen. Wenn der von Christian Lindner vorgestellte interaktive (real wie virtuell) Kurs beibehalten wird und die dort gesammelten Anregungen auch aufgegriffen werden, dann blicke ich voller Vorfreude, in Optimismus und mit Stolz auf die kommenden Monate bis zum ersten Zwischenfazit, einem Programmatikparteitag in Frankfurt.

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