Die Bahn macht mobil

Dass Bahn-Bashing mittlerweile zum guten Ton gehört, hindert die Bahn offensichtlich nicht, weiterhin nichts an ihrer Informationspolitik zu ändern, zum Beispiel dadurch, erst einmal eine zu etablieren.

Als ich am Donnerstagabend in Hannover auf einen ICE nach Hamburg wartete, fuhr gerade ein ICE aus Basel (mit 20 Minuten Verspätung) ab, gefolgt von einem IC, ebenfalls auf dem Weg an die Elbe. Beide Züge konnte ich nicht nehmen, da wir in der Gruppe reisten und unser Ticket zuggebunden war. Als der IC einfuhr, stand schon ca. 10 Minuten an der Anzeigetafel, der Zug führe mit ca. 40 Minuten Verspätung ein. Dass er dennoch nach Plan abfuhr, lag daran, dass die Verspätung (in der Laufzeile oberhalb der Anzeigetafel) für den Zug am Nachbargleis galt. Wie so etwas passieren kann, vermag ich als IT-Laie nicht nachvollziehen, habe aber meine Zweifel, ob es zu solchen Fehlern kommen darf, wenn es sich um ein System handelt, dass auf mehr als 5400 Bahnhöfen täglich zigtausendfach eingesetzt wird.

Was dann geschah, war symptomatisch für die Deutsche Bahn: Unser Zug war schon an der Anzeigetafel, als keine 10 Minuten vor geplanter Ankunftszeit angesagt wurde: „Der ICE So-und-so nach Hamburg Hbf entfällt. Wir bitten um Entschuldigung. Knack“ Prompt erschien gleichlautende Meldung in der Laufzeile, Verwirrung auf dem Bahnsteig.

Beim Servicecenter erfuhr ich dann auf Nachfrage, dass der Zug einen Triebwerkschaden gehabt habe. Von wo er denn hätte losfahren sollen und seit wann demnach bekannt sei, dass dieser Zug entfallen werde? Nun, 16.16 in München, und, ja, die Kollegen hätten das schon melden können, dann hätte man auch darüber informieren können. Und es tue ihr leid. Und wenn sie es sich so ansehe: Der nächstmögliche ICE habe jetzt schon 20 Minuten Verspätung, sie rufe aber gern die Kollegen in HH an, um die zu informieren, dass dort heute nacht noch eine Gruppe von über 20 Menschen stranden werde. To cut a long story short, dieser Verlegenheit entgingen wir, denn plötzlich fuhr in Hannover um viertel nach neun (nicht erst um halb zehn) ein ICE nach HH, der weder Eingang in die iPhone-App der DB, noch in das Auskunfsystem des Service-Point gefunden hatte.

So kamen wir lediglich eine Stunde später in Kiel an, uns mit dem Argument tröstend, bei einem hochkomplexen System wie dem der DB kann es eben immer mal zu kleineren Störungen kommen. Gut, dass man innerhalb von 4 Stunden nicht eine so schnelle Nachricht auf den Weg bringen kann, die in der Lage ist, die Ankunft eines Hochgeschwindigkeitszuges vorwegzunehmen, um Reisenden vielleicht die Möglichkeit zu geben, wertvolle Zeit in Zügen, nicht vor ihnen auf Bahnsteigen zu verbringen, dass scheitert vielleicht an der technischen Realisierbarkeit. Vielleicht ist das eine dieser technischen Herausforderungen, an denen momentan fieberhaft geforscht wird. So wie die Übertragung von Adressbucheinträgen zwischen zwei mobilen Endgeräten unterschiedlicher Hersteller.

Ich bin nur froh, ich verschicke meine Sendungen nicht mit dem Kurierangebot der DB. Der funktioniert wohl auch nur durch das Gesetz der großen Zahl…

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