2 Paar Schuhe

Oder warum es gute Gründe gibt, Partei und Stiftung getrennt zu denken

Zunächst sei knapp der Hintergrund umrissen, vor dem dieser Artikel* entstanden ist. Einhergehend mit personellen Veränderungen innerhalb der Stiftung und einer Aktualisierung des Leistungsberichtes, entwickelte sich innerhalb der Stipendiatenschaft eine angeregte, bisweilen erregte Diskussion, die kurz zusammenzufassen ich mich im folgenden bemühen werde, um schließlich einigen der Argumente etwas Trennschärfe hinzuzufügen.

Die neuen Leistungsberichte kamen auf leisen Sohlen. Der anfänglichen Freude ob der Möglichkeit der Eingabe der Daten direkt am Rechner folgte zunächst Verwunderung. Was dann bei den Stipendiatinnen und Stipendiaten geschah, ließ sich während des Strategieforums in den Gesichtern ablesen:

Da gab es die einen, deren Verwunderung sich darin erschöpfte, festzustellen, es mit einem neuen Dokument zu tun zu haben, das es zur Kenntnis zu nehmen und in diesem Fall auszufüllen, -drucken und abzuschicken galt.

Aber es gab auch die anderen, deren Verwunderung differenzierter ausfiel. Erst auf Nachfrage stellte sich heraus, dass die aktualisierte Version erst einmal work-in-progress und man um Rückmeldungen dankbar sei. Dass hier die Kommunikation reibungsloser hätte laufen können, wurde während des Strategieforums bereits deutlich.

Sinnvolle Ergänzungen, notwendige Aktualisierungen und nicht zuletzt die Möglichkeit der elektronischen Bearbeitung stehen völlig außerhalb der Diskussion. An dieser Stelle möchte ich nicht auf alle Veränderungen des neuen Leistungsberichts eingehen, sondern lediglich einen Punkt herausheben: die Verflechtung stipendiatischen und parteipolitischen Engagements. Grundsätzlich ist natürlich nicht nur nichts dagegen einzuwenden, im Gegenteil. So sind Partei und Stiftung personell sowohl im Blätterdach, als auch vielfach im Wurzelwerk eng miteinander verbunden. Doch gibt es gute Gründe, dass beide ihren eigenen Stamm behalten.

Während es in der Partei um Wahlergebnisse, Umfragewerte und kurz- bis mittelfristige Trends geht, steht bei der Stiftung, vor allem in der Begabtenförderung, die langfristige Entwicklung im Fokus. Dies durch die Förderung liberal denkender Persönlichkeiten, die nach erfolgreich absolviertem Studium auf lange Zeit der liberalen Familie verbunden bleiben und so zu freiheitlichen Multiplikatoren werden.

Dass dies nur geschehen kann, wenn die Geförderten frei zu ihrer Grundhaltung finden können, schien zu betonen mir bislang nicht notwendig. Dabei geht es an dieser Stelle nicht darum, dass die Stiftung nicht am Wohle der Partei interessiert sei. Das Gegenteil ist der Fall. Nur bleibt es ebenso wichtig hervorzuheben, dass der Partei am Wohle der Stiftung gelegen sein sollte. Und zum Wohle der Begabtenförderung führt es nicht, eine Quote der Parteizugehörigkeit anzupeilen oder dergleichen.

Soll die Stiftung der Partei inhaltlich zuarbeiten, ihr neue Impulse geben können und sie mit wissenschaftlichem Nachwuchs versorgen, dann ist es unerlässlich, das Klima der Kreativität aufrechtzuerhalten, deswegen viele von uns hier sind.

Denn lässt man der Partei nicht ihre Orientierung an der Tagespolitik und ihr Interesse an der öffentlichen Wahrnehmung und der Stiftung nicht die ihr eigenen Atmosphäre freier Geister in freiheitlichem Denken, droht man am Ende beides zu verlieren. Die oben angesprochenen Multiplikatoren ebenso wie eine Partei, die der Stiftung wertvolle Impulse zu verdanken hat. Um zuletzt noch einmal ein Bild zu bemühen, das ich zwei Mitstipendiaten zu verdanken habe: Stiftung und Partei sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Zwar laufen sie grundsätzlich in die selbe Richtung, verschnürt man sie jedoch, drohen sie zu straucheln.

* Dieser Text ist ebenfalls abgedruckt im freiraum (2/2010), der (Alt-)Stipendiatenzeitschrift der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. (mehr)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.