Meine Daten sind sicher – ich bin ja nicht bei Facebook…

Wen die Diskussion um informationelle Selbstbestimmung bislang ungerührt gelassen hat, der wird sich durch diesen Artikel von Friederike Haupt in der F.A.Z. irritiert fühlen. Denn wer sich bislang sicher wähnte, weil er soziale Netzwerke wie Facebook, StudiVZ/meinVZ, XING usf. konsequent mied, der wird nun feststellen müssen, dass auch dies nicht davor schützt, dass personenbezogene Daten gesammelt werden. Denn Facebook wertet auch Daten aus von denjenigen Personen, die gar nicht bei Facebook angemeldet sind. Dazu mehr in o.g. Artikel. Übrigens: Ein Widerspruch ist hier auf der Seite von Facebook möglich.

Was bislang stets nach Science-Fiction oder nach grellen Warnschreien übereifriger Datenschützer klang, das ist nunmehr Realität. Ob aus Bequemlichkeit oder schlicht Naivität,

fest steht, der gemeine Netzbenutzer macht sich keinen Begriff mehr davon, inwieweit Daten im Netz aggregiert werden können. Und das gilt auch für digital natives. Mitschuld trägt daran auch, dass die Informatik als typisches Außenseiterfach lange ein unliebsames Nischendasein fristete und man damit die Chance vertat, bereits bei Schülerinnen und Schülern zumindest ein Gespür dafür zu wecken, welche Möglichkeiten hinter Algorithmen stecken, werden sie nur mit hinreichend viel Datensätzen versorgt.

Dass Amazon ahnt, welche Bücher, Tonträger u.ä. mich interessieren mögen, daran haben wir uns schnell gewöhnt. Dass aber viele dieser Prozesse gar nicht vor unseren Augen ablaufen, wie bspw. Google Analytics, das wiederum ist vielen nicht nur nicht bewusst, sie nehmen es gar gleichgültig hin. So degeneriert ein offenes und genuin interaktives Medium wie das Internet zu einem Vermittler zwischen naiv offenherzigen Schnäppchenjägern einerseits und aggressiven Datensammlern andererseits, die über jeden verschwendeten zweiten Dollar Fords nur müde lächeln können. Denn solang nur alle Inhalte kostenlos zugänglich sind, solang nur Rabattaktionen „exklusiv für xy-Mitglieder“ angeboten werden, solange nehmen wir als Konsumenten jede Datenspeicherung und -verwertung stillschweigend und im schlimmsten Fall ahnungslos hin.

Stell Dir vor, das Netz wird zum Netz, und niemand merkt es.

Wer sich mit dem Thema bislang noch nicht aktiv befasst hat, dem sei wärmstens empfohlen:
Der Anonymitätstest von JonDonym
Die Hinweise des ULD Kiel
Die Erweiterung „NoScript“ (OpenSource) für Firefox

Nachtrag (14.08.10): Auch Social Bookmarking Dienste (AddThis o.ä.) nutzen Web Analytic Skripte

Nachtrag (24.08.10): Ben Schwan i.d. taz v. 24.08. über die Standardeinstellungen bei facebooks places

Nachtrag (17.10.10): Stefan Tomik i.d. FAZ über „Spionieren mit facebook“ und das Sammeln von Mailadressen von Nichtmitgliedern

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