Zur „Neuen Offenheit“

Die (schnelle) Veröffentlichung der Dokumente aus den Koalitionsverhandlungen hat mich ein paar Gedanken notieren lassen, inwieweit das Auswirkungen auf die Public Affairs Branche hat.

Malte Spitz, der die 3. Fassung des KV bei gruen-digital.de am Montagabend online gestellt hatte, hat sich jetzt in seinem Blog dazu geäußert. Titel seines Postings: „Eine neue Offenheit“.

Die meisten seiner Argumente – wenngleich etwas stärker medienkritisch beleuchtend – fanden sich vorgestern schon in Stefan Niggemeiers Blogeintrag zu Spitz‘ Veröffentlichung (und dem Umgang der Printmedien damit).

Zwei Beobachtungen lassen sich formulieren: Weiterlesen

Ruhe

Nachdem es in diesem Blog schon einige Zeit ruhiger geworden ist, ist es Zeit für eine Nachricht in eigener Sache.
Dieses Blog war vor allem als Zwischenlösung einer Archivierung für von mir durchgeführten Veranstaltungen für die Friedrich-Naumann-Stiftung gedacht. Da ich mit dem beruflichen Wechsel nach Frankfurt/M. Anfang 2012 und nach Berlin im Herbst 2012 nicht mehr in der gewohnten Funktion bei der Naumann-Stiftung aktiv bin, ist dieser Zweck nicht länger gegeben.
Da ich aus privaten und beruflichen Gründen nicht mehr die Zeit finden werde, zu bloggen, ruht dieses Projekt bis auf weiteres. Sollte ich wider Erwarten doch Zeit finden, werde ich sie dem Landesblog widmen.

Europe vs Facebook

Wie man aus einer einfachen deutschen Mail eine scheinbar auskünftige aber ebenso einfache englischsprachige Mail macht, die im Grunde den selben Inhalt hat…

Der nachstehende Mail“verkehr“ bezieht sich auf mein Auskunftersuchen gegenüber Facebook Irland. das Prozedere ist durch Europe vs. Facebook hinlänglich bekannt gemacht worden und im Einzelnen hier nachzuvollziehen und nachzuahmen.

Da die Frist von 40 Tagen erst am kommenden Dienstag, den 06.11. verstrichen sein wird, harre ich gespannt der Dinge, die da wohl nicht mehr kommen werden.

Die erste Mail ist vom 27.09.2011:

Hallo,

Wir haben Deinen Antrag auf Herausgabe von persönlichen Daten, die von Facebook gespeichert werden, erhalten. Wir überprüfen die Informationen, die Du bereitgestellt hast, und bearbeiten Deinen Antrag. Du solltest innerhalb von 40 Tagen nach Eingang Deines Antrags von uns kontaktiert werden.

Falls Du in der Zwischenzeit Fragen haben solltest, rufe bitte die Datenschutzrichtlinien von Facebook auf: https://www.facebook.com/policy.php

Besuche unseren Hilfebereich, um zusätzliche Hilfe zu erhalten: https://www.facebook.com/help

Danke, dass Du Facebook kontaktiert hast.

Das Facebook-Team

Die zweite Mail ist vom 25.10.2011 (also noch weit innerhalb der 40 Tages Frist):

Hello,

We have received your request for information about your personal data held by Facebook Ireland (“Facebook”). In regards to your request for details about the way your personal data are being handled by Facebook, we encourage you to have a look at the Privacy Policy (also called “Data Use Policy”), which provides for a description of:

• the categories of data being processed by Facebook,
• the personal data that Facebook receives from Facebook members,
• the purpose or purposes of the processing of such data,
• the source or sources(s) of the data, if known, and
• the recipients or categories of recipients to whom Facebook members’ personal data are or may be disclosed.

The Privacy Policy is available for view at https://www.facebook.com/about/privacy/.

We have included for your convenience the direct links to sections that refer to the categories of data we collect, the way we process them and the recipients of your data:

• We comprehensively disclose the categories of data processed and provide a description of the personal data constituting such data in the “information we receive about you” section of our Privacy Policy.

• We provided information as to how we process the personal data we collect in the “how we use the information we receive” section of our Privacy Policy.

• We provide our users with detailed and visually illustrated information about the categories of recipients to whom the data may be disclosed in the “sharing with other websites and applications” section of our Privacy Policy. It should be stressed that we never share user’s personal data with advertisers.

We have built a convenient self-service tool to offer people who use Facebook the opportunity to access the personal data we hold about them in accordance with the provisions of EU Directive 95/46/EC.

By offering this tool we are able to give you immediate access to your data at any time free of charge. We have included all the data that we believe necessary to comply with the requirements of data protection law in this download.

As you may know, we are currently working with the Irish Data Protection Commission to review various aspects of our service including our response to subject access requests. If we make any changes to the data provided in response to such requests as a result of this review, then our self-service tool will be amended accordingly. In that event, we will notify you again on completion of the review and you may wish to download your data again at that time.

Please note that this tool provides you with data that is currently held in your profile and does not generally include historic log records. We are examining the extent of the log records that should also reasonably be provided in response to a subject access request as part of the review by the Irish Data Protection Commission and will provide further information on the outcome of this consideration in due course. Also please note that you can check in your account settings under “Payments” to ascertain whether we have your credit card information stored, and you may choose to change or delete it.

You can access the self-service data access tool by clicking “Download a copy of your Facebook data” at the link below:

https://www.facebook.com/settings.

It is important to note that we have several measures in place to ensure the security of your information. Also, we require you to confirm your identity to complete the process. You will not be able to access the downloaded information until you have completed the security check.

Please note that your downloaded file may contain sensitive information. You should keep it secure and take precautions when storing, sending or uploading it to any other services.

Remember: You can also access your personal data anytime by logging in to Facebook. When you log in, you can correct, change or delete your information.

If you are having trouble logging in to your account, please visit:
http://www.facebook.com/help/?page=174

Thanks for contacting Facebook,

Facebook Ireland User Operations – Data Access Request Team

—–Original Message to Facebook—–
From: xxxxx@xxxxx.de
To:
Subject: Personal Data Requests

Contact email address: xxxxx@xxxxx.de Your Full Name: Philipp Neuenfeldt Date of Birth: xx.xx.19xx Mailing Address: xxxxxx Straße xxx, xxxxx Kiel, Schleswig-Holstein/Deutschland Your Country of Residence: Deutschland Telephone Number: +49 xxxxxxxx Email Address: xxxxx@xxxxx.de Profile URL: http://www.facebook.com/pneuenfeldt
Privacy Law: Art. 12 Directive 95/46/EG
Agree / Disagree: Agree

—–End Original Message to Facebook—–

Datenschutz und Social Plugins

PrivacyImg - Ein interaktives Beispiel. Konfiguration ueber http://tilli.me/privacyimg

Den Hintergrund zu dieser Grafik schildert Henning Tillmann hier.

Weitere Verlinkungen und ein ausführlicher Bericht zur Veranstaltung mit Herrn Dr. Weichert, Sören Mohr (DiWiSH), Christian Burtchen (XING) sowie Thomas Hartmann (Uni Göttingen) finden sich in Kürze an dieser Stelle, im landeblog sowie unter luebeck.freiheit.org

Warum eigentlich Public Affairs?

Im Zuge meines dreimonatigen Praktikums in einer Kommunikationsberatung habe ich in unregelmäßigen Abständen Mailings für die Daheimgebliebenen und die in alle Winde Verstreuten geschrieben und einige Eindrücke gesammelt. Einiges davon ist weder zu persönlich, noch zu wenig allgemein, um es auch an dieser Stelle zu teilen.

Warum eigentlich Public Affairs?
Wikipedia nennt Public Affairs „das strategische Management von Entscheidungsprozessen an der Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.“ Dem ist aus der Binnensicht nichts hinzuzufügen :-)
Etwas fassbarer wird’s, wenn man sich misslungene Beispiele ansieht. Etwa die Markteinführung von E10, also Treibstoff mit erhöhtem Ethanolgehalt. Hätte man das ganze zu Beginn anders angefasst, wäre es vielleicht kein so großes Thema geworden. Auf den zweiten Blick zeigt sich anhand dieses Beispiels aber auch, das Public Affairs auf „beiden Seiten“ betrieben werden kann. Eines der möglichen Mittel, um die E10 Kampagne anzuheizen, waren beispielsweise virale Aktionen (etwa via facebook) oder aber das Lancieren von Interviews in überregionalen Tageszeitungen. Den Rest besorgt dann die Eigendynamik von Angst, Halbwissen und Verschwörungstheorien…

Wer sich unter all dem nichts vorstellen oder den Begriff Public Affairs noch nicht gehört hat, kann sich übrigens in der (leichten) Mehrheit wähnen. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass knapp mehr als die Hälfte der Befragten noch nie etwas von „Public Affairs“ gehört und nur jeder Fünfte weiß, was Lobbyisten tun.

Einige Sätze vielleicht noch zu dem ganzen Themenfeld Lobbyarbeit. Ja, es gibt Lobbyisten. Ja, das ist kritisch zu sehen (und zwar im Sinne von beobachten, nicht schlicht von einschätzen).
Man muss nur einmal eine Tagesordnung im Bundestag (hier die von vor genau einer Woche) gelesen haben, um ein Bild davon zu bekommen, wie komplex und wie speziell die Themen sind, über die unsere Abgeordneten zu entscheiden haben. Unseren Volksvertretern stehen natürlich zur fachlichen Unterstützung ihre Referenten und wissenschaftlichen Mitarbeiter zur Verfügung. Aber auch die gelangen irgendwann an ihre – und sei’s nur zeitlichen – Grenzen. Und jetzt kommt die Gretchenfrage: Wollen wir wirklich, dass unsere Bundestagsabgeordneten die Gesetze schreiben‽ Ich nicht. Da ist’s mir lieber, wenn das diejenigen machen, die sich intensiv mit den Themen auseinander gesetzt haben. Und die dafür sorgen, dass die Gesetze rechtlich wasserdicht sind und nicht gleich von einem Gericht kassiert werden.
Der Punkt ist aber, dass jemand darüber entscheiden muss, welches der vorzugswürdige Entwurf ist. Und an der Stelle möchte ich, dass darüber Menschen befinden, die „einfache Leute“ sind, einen – idealiter – gesunden Menschenverstand haben. Das ist nicht mehr Arbeit von Experten.

Das Problem ist nun, dass diese im Hintergrund ablaufende Arbeit (Wer schreibt die Gesetzesentwürfe, wer zirkuliert sie an wen, ab wann ist wer eingebunden…) unter Ausschluss der Öffentlichkeit läuft. Das schafft verständlicherweise Irritationen und Skepsis, schlimmstenfalls Resignation und Ohnmacht.
Es soll diesen berechtigten Einwand nicht entkräften, kann aber mindestens als Erläuterung dienen, wenn man darauf hinweist, wie eng Journalisten oft an politischen Prozessen dran oder in sie eingebunden sind. Von ihnen jedoch zu verlangen, alles das, was sie unter drei erfahren, gleich zu veröffentlichen, ist naiv. Ebenso verhält es sich mit funktionierender Interessenvertretung. Allein, zu einem Gentlemen’s Agreement gehört immer mehr als nur ein Gentleman.

Die Lebensläufer

Chancen sind viele vergeben worden beim Auslaufen der Magister- und Diplomstudiengänge, die an vielen Universitäten nur noch die „alten Studiengänge“ heißen. Für die einen dabei im Sinne von „altmodisch“ und auf obskure Art ohne jegliche Anschlussfähigkeit an die eigene Lebenswelt, für die anderen im Sinne von „alt und bewährt“, freilich meist ohne reflektiertes Verhältnis zu den damit einher gehenden Privilegien und Lasten.

Mit ihrem Auslaufen also verpassen nicht nur die Hochschulen einen paradigmatischen Wechsel. Denn mit der – in vielerlei Hinsicht notwendigen – Umstellung auf die Bachelor/Master-Abschlüsse erleben wir auch eine Veränderung in der studentischen Kultur und infolgedessen auch zukünftiger Unternehmenskultur.
Das Gros der Studierenden erlebt Universität mittlerweile als eine durchgetaktete Serie von Veranstaltungen und findet sich getrieben vom folgenschweren Drang nach Mehrung des ECTS-Guthabens.

Dass damit nicht nur die Universitäten zu kämpfen haben, zeigt der Blick in die Lebensläufe derer, die sie nun verlassen.

Was sich derzeit abzeichnet, ist ein Streben nach lückenloser linearer Progression. Studium punktgenau und perfekt, Ausland mit Austauschprogramm, Praktika mit Praxisbezug. Wer seinen Auslandsaufenthalt auf eigene Faust und womöglich ohne das Erreichen der gewissen ECTS-Punkte oder aber Praktika in – auf den ersten Blick – abwegigen Branchen absolviert, fällt damit sogleich aus der Reihe. Ob er damit am Ende einen Nachteil wird erleiden müssen, entscheidet der Auswahlprozess, entscheiden Angebot und Nachfrage, könnte man naiv behaupten.

Ob es aber dazu kommt, erscheint indes fraglich. Denn vielen ist die Dualität (Studium + Praxis) so sehr eingeimpft, dass sie andere Möglichkeiten gar nicht mehr berücksichtigen. Sabbaticals in Unternehmen erfreuen sich hingegen wachsender Beliebtheit. Auf beiden Seiten.

Wenn wir heute den Studierenden zu intensiv den Praxisbezug abverlangen, leidet gerade dieser als erster darunter. Denn – selbst die genuinen Ausbildungsstudiengänge sind davon nicht ausgenommen – gerade das Wechselspiel verschiedener Eindrücke ist es, was Charakter und Persönlichkeit formt, ist es auch, was den Entschluss reifen lässt, der zu ergreifende Beruf passe zu einem. Wer jedoch von Beginn an nur einen Beruf, schlimmstenfalls ein einziges Unternehmen nur kennenlernt, dem fehlt notwendigerweise die Trennschärfe, seinen Eindrücken Mannigfaltigkeit abzugewinnen.

Lautet das Ziel jedoch, Führungskräfte auszubilden, benötigt es dafür Studierende mit Entscheidungskompetenzen. Nicht mit Kompetenzen im Abarbeiten vorgefertigter Curricula.
Nur dann kann einem Lebenslauf Persönlichkeit abzugewinnen sein. Nur dann gibt es Sprints, Querfeldein- und Dauerläufe. Und immer noch genügend Mittelstreckenläufe.

Die Unternehmen sind also gut beraten, bei ihrer Rekrutierung Konformität zugunsten Individualität einzulösen. Da sich die Universitäten zunehmend darin überbieten, den Wünschen und Bedürfnissen der Wirtschaft nachzukommen, kann nur von hier ein wirkungsvoller Impuls kommen. Die Unternehmenskultur kommender Jahre wird es der Wirtschaft danken. Und die Lebensläufer auch.

Berggruen und sein Demokratieverständnis

Im heutigen SPIEGEL (Nr. 6/11) ist ein Portrait von Berggruen zu finden (S. 36ff.), das in zweierlei Hinsicht aufschlussreich ist. Nicolas Berggruen wird dargestellt als ein in der Jugend verträumter Linker, der nun als idealistischer Gutmensch die Demokratie retten will. Und weil der Spiegel selbst nicht so recht weiß, Weiterlesen

Empörungsinvestigativjournalismus

Vorab: Die Recherchen von NDRInfo sind in den letzten Wochen (easycash) und Monaten (HSH Nordbank) ein positives Beispiel für den in Deutschland gut funktionierenden Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, der mit seinem Auftrag und dank seiner Ausstattung investigativen Journalismus ermöglicht, den die privaten Anbieter meist vermissen lassen.
Heute morgen jedoch brüstet sich der NDR mit der „Enthüllung“, die HaSpa erstelle von ihren Kunden psychologische Profile. Und das ohne vorher deren Einverständnis eingeholt zu haben. Nein!
Erst einmal bezweifle ich, dass die von der HaSpa erstellten Profile wirklich psychologisch, d.h. wissenschaftlich erstellt worden sind. Aber das einmal dahingestellt, erwarte ich geradezu, dass in der Bank/Sparkasse oder Versicherung meines Vertrauens meiner Wahl ein Bild von mir besteht, dass möglichst genau mein Risikoempfinden und meine Erwartungen an die angebotene Dienstleistung abzubilden imstande ist. Wenn wir etwas durch die instituts- und kundenseitigen Fehler lernen können, die ihren – nicht unerheblichen – Teil zur Finanzkrise beigetragen haben, dann wohl, dass Produkte verkauft, bzw. gekauft worden sind, die mit dem Risikoverhalten der Kunden nicht in Deckung zu bringen waren.
Was liegt also näher, als sich vorher ein Bild davon zu machen. Dafür stehen mittlerweile vergleichsweise einfache Tools dem Vertrieb zur Verfügung, die solche Profile zu erstellen auch der Schalterelse ohne Bachelor in Psychologie ermöglichen oder dem Telefonkurt in der Filiale eines 800-Seelen-Kaffs.
Eine „Enthüllung“ wird erst draus, wenn die Profile mit amazon-Kundendaten, ebay-Profilen, facebook-Daten & Co. erstellt worden wären. Dass auch das nur noch eine Frage der Zeit sein wird, ist nicht prophetisch, sondern nur die konsequente Fortführung der Kundenkartenmentalität der Deutschen.

Der Verfasser war zwei Jahre im Finanzvertrieb einer Hamburger Aktiengesellschaft tätig.

Nachtrag: Im Filterblog bringt Jan Filter die Sache polemisch auf den empörten Punkt.

Auf dem Weg zu einem neuen Grundsatzprogramm

Es ist soweit. Die FDP ist auf dem Weg, sich bis zum Bundesparteitag 2012 ein neues Grundsatzprogramm zurechtzulegen. Das wird Zeit, sagen die Einen – darunter vor allem diejenigen, denen der Datenschutz im Netz besonders am Herzen liegt, aber auch diejenigen, bei denen nach der Finanzkrise noch zu viele Fragen für ihr liberales Verständnis offen sind. Das wird eine Chance, sagen die Anderen. Denn mit den Wiesbadener Grundsätzen Weiterlesen